Australien - Karte1
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Start in Darwin und Nourlangie Rock

Die Luft war drückend. Zusammen mit einem Schweizer, drei Engländerinnen, einer Irin und einem spanischen Pärchen wartete ich um sechs Uhr morgens auf unseren Tourguide vor dem Hostel Fawlty Towers im Zentrum von Darwin. Wir beäugten uns neugierig: Vier Tage würden wir miteinander verbringen, gemeinsam Zelte aufbauen, kochen, wandern, schwimmen, uns stundenlang im
 Geländewagen gegenüber sitzen. Der Erfolg einer Tour hängt davon ab, wie sich die  Teilnehmer verstehen - ich war gespannt. Jeder hatte einen kleinen Tagesrucksack mit dem Nötigsten und seinen Schlafsack dabei. Dann kam Ben (Name geänd.), der Gondwana-Tourguide mit dem Geländewagen. Braungebrannt, schmal, drahtig, nicht mehr ganz jung, einen Schlapphut auf dem Kopf - ich konnte mir vorstellen, dass er den Park wie seine Westentasche kannte.

Crocodile Dundee

Von Darwin bis zum westlichen Rand des Kakadu National Park sind es etwa 200 Kilometer, die wir zunächst noch auf dem Arnhem Highway zurücklegten. Dieser durchzieht anschließend den ganzen Park von West nach Ost und führt an die Grenze von Arnhem Land. Das dünn besiedelte Arnhem Land gehört den Aborigines und erstreckt sich über den gesamten Osten des australischen Top End. Es ist größtenteils unzugänglich für Individualreisende. So muss für einen Zutritt zunächst die Erlaubnis des Northern Land Council eingeholt werden. Mir fiel wieder David ein, David Gulpilil, inzwischen weltweit bekannt aus den Filmen "Long Walk Home" (er spielt den Aboriginal Fährtensucher) und "Crocodile Dundee". Zufällig war ich David und einem Teil seines Filmteams zwei Wochen zuvor in der Aborigine-Community Iga Warta in den grandiosen Flinders Ranges im Süden Australiens begegnet. Er hatte angeboten, mir Arnhem Land zu zeigen, aus dem er stammte - leider musste ich aus Zeitgründen ablehnen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Verbranntes Gras als Feuerschutz

Ben bog mit uns vom Arnhem Highway auf eine Schotterpiste ab, die durch bewaldete Ebenen führte. Die Landschaft bestand aus kleine Eukalyptusbäumen und trockenen Gräsern und sah alles andere als spektakulär aus. Diese Savanne sollte der berühmte Kakadu National Park sein? Ben begründete die stellenweise geringe Größe vieler Pflanzen mit dem kontrollierten Abbrennen der Flächen durch die Park-Verwaltung. Was nach einem unzulässigen menschlichen Eingriff in die Natur klingt, wurde auch von den Aborigines jahrtausendelang durchgeführt.

Der Stamm der in dem Gebiet ansässigen Bininj/Mungguy hinterließ ein Flickwerk aus abgebrannten und verschonten Flächen, während er durch das Land zog. Als jedoch ein Großteil der indigenen Bevölkerung an von den Weißen eingeschleppten Krankheiten starb, ermordet oder vertrieben wurde, verwilderte das Land und es kam es zu riesigen unkontrollierten und zerstörerischen Bränden während der Trockenperioden.

Seit den achtziger Jahren arbeiten Parkverwaltung und Aborigines zusammen, um diese Feuer zu reduzieren. Den Traditionen gemäß werden in dem noch vergleichsweise kühlen Klima zu Beginn der Trockenzeit (Mai bis Juli) kleine Flächen abgebrannt. Den Tieren bleibt genügend Zeit, aus dem Areal zu fliehen und die frisch und schnell sprießenden Pflanzen stellen während der Dürre (September bis November) keine Brandgefahr mehr dar.

Höhlenmalereien und der Ruf der Wildnis

Als wir weiter in den Park hineinfuhren, wurde die Landschaft vielfältiger, von Felsen durchbrochen, von Flüssen und kleinen Wasserläufen durchzogen. Unser erstes Ziel war  Nourlangie Rock, ein felsiges Gebiet auf der östlichen Seite des  Nationalparks. Dort sind Aboriginal-Felsmalereien zu sehen, die zwischen 20.000 und 10 Jahren alt sind. Anhand von Felsmalereien überliefern die Aborigines traditionelles Wissen und Schöpfungslegenden.

Die Malereien waren ursprünglich - anstelle einer Schriftsprache - die Kommunikationsform der Ureinwohner und dienten als historisches Archiv. Der Nourlangie Rock bietet neben den beeindruckenden Felsmalereien auch kilometerlange  Wanderpfade. Mit Ben verließen wir bald die offiziellen Pfade und genossen beschwerliches, aber dafür einsames und einmaliges Bushwalking pur sowie immer wieder überwältigende Ausblicke von den Felsplateaus auf die unter uns liegende bewaldete Ebene.

Als der Abend hereinbrach suchten wir uns einen Zeltplatz in der Nähe und probierten vorsichtig von dem Fleisch, das Ben uns anbot: Emu, Krokodil und Känguru. Wir schliefen in feinmaschigen Zelten, die jeden Windhauch durchließen, uns aber vor Insekten schützten.